Ich vermisse mein altes Kreuzberg und Deniz Utlu hat’s mir für eine Buchlänge zurückgebracht – Kotti, Schwäne am Urban-Krankenhaus, Touris-haten in der Oranienstraße und Gammeln im Görli. Bis aufs Cover (Themenbild „Migranten von hinten?“ Zu oft in der Zeitung gesehen) war “Die Ungehaltenen“ ein Buch, in das ich mich gleich verliebt habe, voll von Utlu-Spezial-Sätzen wie dem hier: „Ein Geist hielt eine Magnetspule an meine Schädeldecke und deporalisierte meine Neuronen.“ Zum Plot: Nach dem Krebstod seines Vaters versumpft Elyas im Kiez, forciert seine Exmatrikulation im Jura-Studium und schreibt besoffen den Blog-Artikel „Die Integration kann nur über Youporn analysiert werden.“ Ein bisschen Halt findet er bei Onkel Cemal (nicht sein biologischer Onkel aber ihr wisst schon) und ein bisschen Hoffnung bei Aylin, der tollen No-Bullshit-Anästhestin aus dem Krankenhaus. „Die Ungehaltenen“ ist eine Geschichte über türkische Einwanderung nach Deutschland, das Aufwachsen von Kindern im Dazwischen, ein bisschen Love Story, Berlin-Roman und Road-Novel. Hat bei mir alle Knöpfe gedrückt: Ich war sauer, traurig, hab gelacht, was gelernt und war gerührt – klare Leseempfehlung.

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