Endlich konnten wir uns im Buchklub mal „streiten“ 🙌🏽🙃 Ein Lager war berührt von der Innenschau in diese Familie, von der Weise wie Necati Öziri vom struggle dieser Menschen erzählt, wie nah wir ihnen kommen, wie die Figuren festhängen in Umständen, die sie sich nicht ausgesucht haben und aus denen so schwer auszubrechen ist. Der andere Teil hatte Zweifel – ob die ständige Betonung der unteren Klasse sein musste, die vielen Attribute des Prekariats, die nicht erlaubten, diese Menschen nur als Menschen zu sehen. Ob den Frauenfiguren, vor allem der Mutter, genug Raum gegeben wurde.
Für jemanden, der selbst aus dem Block kommt und mit ähnlichen friends aufgewachsen ist, hab ich mich gefragt, ob nicht weniger desaströse Umstände die Geschichte noch stärker gemacht hätten. Ob die Geschichte nicht ausgekommen wäre auch ohne so viele Facetten von Schrecklichkeit (schlimme Krankheit, Abschiebung, Alkoholismus, häusliche Gewalt, Prostitution, Suizid, Naturkatastrophe, Racial Profiling etc.) um Empathie zu empfinden.
Necati Öziri kann natürlich tun und lassen was er will und er hat das gute Recht, die Geschichte so zu erzählen wie es ihm wichtig war. Nur sind Geschichten, in denen alles schlimm ist nicht mein taste. Und ich lese so eine Geschichte auch im Kontext eines White Gaze auf das Thema, das Geschichten von Migrant*innen nur dann wertzuschätzen scheint, wenn sie den tragischen Erwartungen entsprechen und Klischees erfüllen.
Anyway: Alle waren sich einig darüber, dass Vatermal ein literarisch starkes Debüt ist, voll von bildhafter, auch funny Sprache, eine wichtige Geschichte über die Abwesenheit von Vätern, die endlich erzählt werden musste. Vielen Dank an den Ullstein Verlag für die Rezensionsexemplare und danke an den Buchklub und den wie immer schönen und fairen Austausch. Wie war Vatermal für euch?

Leave a Reply